Leonce und Lena → VERSCHOBEN!

von Georg Büchner

Regie: Sebastian Sommer

Leider müssen wir diese Produktion auf einen späteren Zeitpunkt verschieben. Um eine Inszenierung in der geplanten künstlerischen Größenordnung realisieren zu können, ist das RambaZamba Theater auf zusätzliche finanzielle Förderung angewiesen. Bedauerlicherweise wurden unsere entsprechenden Anträge dazu bisher nicht positiv beschieden.

 

Leonce lümmelt auf der Couch und zelebriert seine Langeweile. Was für ein rebellischer Akt! Wir alle sind mittlerweile permanent erreichbar und geben neue Statusmeldungen durch. Wir sind Dauer-Optimierer, so dass wir gar nicht mehr dazu kommen, optimal zu leben. Leonce und Lena war Büchners Aufschlag in die Moderne. Das Stück hat ein enormes Tempo. Es scheint, als sei die Hektik des 21. Jahrhunderts, die Rastlosigkeit, die Maßlosigkeit und die Verknappung in diesem 1836 geschriebenen Stück vorweggenommen. Die Zeit verkürzt sich zu Minuten und Sekunden. In diese Geschwindigkeit der Ereignisse hat Büchner jedoch Oasen der Zeitlosigkeit eingebettet, in denen die Welt stillsteht. Hier trifft Schwermut auf Witz, Grinsen auf Tränen, Satirisches auf Echtes. Leonce verfügt über das kostbarste Gut der Moderne: Zeit. Er widersetzt sich der Ratio des Immer-Weiter und Immer-Mehr. Er ruft uns laut zu: ‚Ich mache da nicht mehr mit.’ Leonce und Lena haben keine Lust, sich in diesen festgefahrenen Lebenslinien zu langweilen. Gerade weil sie die universelle Lächerlichkeit der menschlichen Natur kennen, verweigern sie sich und suchen nach Möglichkeiten daraus auszubrechen. „Wir lassen alle Uhren zerschlagen, alle Kalender verbieten und zählen Stunden und Monden nur nach der Blumenuhr, nur nach Blüthe und Frucht. Und dann umstellen wir das Ländchen mit Brennspiegeln, daß es keinen Winter mehr gibt und wir uns im Sommer bis Ischia und Capri hinaufdestilliren, und wir das ganze Jahr zwischen Rosen und Veilchen, zwischen Orangen und Lorbeern stecken.“

Der Regisseur Sebastian Sommer, der zuletzt Brechts Baal am Berliner Ensemble und gemeinsam mit Achim Freyer Jephta an der Staatsoper Wiesbaden inszenierte, wird zum ersten Mal am RambaZamba Theater arbeiten.