Gisela Höhne

Die 1949 in Thüringen geborene Schauspielerin, Dramaturgin und Regisseurin Gisela Höhne lernte an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin den Regisseur Klaus Erforth kennen, mit dem sie bis 1993 eine Lebens- und Arbeitspartnerschaft verband. 1976 wurde ihr erster Sohn Moritz mit Down Syndrom geboren, zwei Jahre später gab sie den Schauspielerberuf auf, drei Jahre danach wurde ihr Sohn Jacob geboren.

Von 1982 bis 1987 studierte Gisela Höhne Diplom-Theaterwissenschaft an der Humboldt-Universität Berlin und verteidigte 1990 ihre Dissertation. Gleichzeitig gründete die Familie Höhne-Erforth den Zirkus „Bimbo“, in dem erstmals in der DDR geistig behinderte Kinder öffentlich auftraten. Nach der Wende 1989 konzipierten Gisela Höhne und Klaus Erforth den Sonnenuhr e.V. als Werkstatt der Künste für Menschen mit geistiger Behinderung und Andere. 1990 stellten sie sich damit in einer Matinee im Deutschen Theater Berlin „Was für eine Insel in was für einem Meer“ vor. Unter dem Namen RambaZamba entstanden ab 1991 zwei Theaterensembles unter der Leitung von Gisela Höhne bzw. Klaus Erforth. Keinerlei Mitleidsambitionen, sondern hoher Leistungsanspruch und größte improvisatorische Offenheit sind das Credo.

1991 erntete Gisela Höhnes erste Inszenierung „Prinz Weichherz“, nach dem Gedicht des geistig behinderten Dichters Georg Paulmichl, im ausverkauften Deutschen Theater Berlin Begeisterung. 1993 gewannen Höhne und Erforth für eine Matinee im Deutschen Theater „Die nutzlosen Esser“ in Gedenken an die Opfer der Euthanasie den Welt-Star Giora Feidmann zur Vorbereitung in einem Workshop. Mit Höhnes Inszenierung „Ein Winternachtstraum“ wurde im gleichen Jahr ein eigenes Theater im Pferdestall der Kulturbrauerei eröffnet. Von 1995 bis 2016 inszenierte Gisela Höhne mit anhaltendem Erfolg zahlreiche Stücke.  Sie hielt zahlreiche Vorträge und Workshops zu ihrer Arbeitsweise und war Dozentin an der Fachhochschule Potsdam.

Auswahl an Auszeichnungen
Sonderpreis für „MEDEA“ zum 4. Festival „Politik im Freien Theater“ in Stuttgart (1999), „Förderpreis für Darstellende Kunst“ der Akademie der Künste an das Theater RambaZamba  (1996), Deutscher Kinderkulturpreis vom Deutschen Kinderhilfswerk e.V. an den SONNENUHR e.V 1999, Preis der Deutschen Down Syndrom Gesellschaft für Gisela Höhne und Klaus Erforth (2002), Berliner Landesorden an Gisela Höhne und Klaus Erforth (2002), BZ-Kulturpreis an Gisela Höhne und Klaus Erforth für herausragende Leistungen (2004). Höhnes Inszenierung „Mongopolis“ wurde 2005 zum 6. Festival „Politik im Freien Theater“ in Berlin, eingeladen. 2009 erhält Gisela Höhne das Bundesverdienstkreuz am Bande aufgrund ihrer „Verdienste um die Teilhabe behinderter Menschen am künstlerischen und gesellschaftlichen Leben“.