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Fr 12.07. 19:30
EIN SPORTSTÜCK
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RambaZamba Theater Schönhauser Allee 36–39 10435 Berlin
info@rambazamba-theater.de +49 (0)30 585836700
© 2024

Heutzutage scheint der Sport allgegenwärtig. Kein Tag vergeht, ohne dass Sportereignisse, Akteure, Funktionäre oder Verbände Gegenstand medialer Berichterstattung werden. Die Jagd nach Rekorden, der Gewinn oder Verlust von Wettkämpfen addieren sich zu einer Ideologie, die an das Bild eines optimierten, leistungsfähigen Körpers gebunden ist. Der Sport stellt damit einen Stoff dar, der geradezu prädestiniert für ein Inklusionstheater wie das RambaZamba ist.

EIN SPORTSTÜCK, so der Titel der Vorlage für die Bühne von Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, erzählt von diesen Körpern, die im Lichts des Sports immer weiter über sich hinauswachsen sollen und dafür gefeiert werden. Der 1998 publizierte Text berichtet von der Transformationsgeschichte des menschlichen Körpers, von den Wünschen, die auf ihn projiziert werden, als würde ausgerechnet der Sport die Brücke zum Idol des Übermenschen stiften.

Die Inszenierung rückt einschneidende Stationen dieser Körpergeschichte ins Licht der Scheinwerfer. Sie setzt in der Zeit der Antike an, als alle vier Jahre die zu Ehren der Götter abgehaltene Olympiade das Licht der Welt erblickte. Es folgt das von Leni Riefenstahls filmisch inszenierte Fest des heroisch codierten (weißen) Körpers mit Olympia 1936, in dem der Sieg des Einzelnen als Erfolg der verzückten Volksgemeinschaft verbucht wurde. Der Dritte Teil Andi – Ach, Andi springt in die 1980er Jahre, als der Typus des Bodybuilders – stets ein Fässchen mit anabolen Stereoiden unter dem Arm – die Bühne der Welt betrat. Um sich seinem Idol Arnold Schwarzenegger äußerlich anzugleichen, puscht sein empirischer Doppelgänger Andi in Österreich seinen Körper mit allerlei muskelfördernden Mitteln. Seine wohlgeformte Hülle, so der reale Fall, schleppte sich noch mehr als ein Jahrzehnt als lebender Toter zu Body Building Events all over Austria. Danach setzt die digitale Revolution ein, die Arme, Beine, Muskeln und Blutbahnen in der Sprache des Codes auflöst, um den Leib in Form von Avataren neu zusammengesetzt auferstehen zu lassen. Der alte Körper ist tot, lang lebe der virtuelle Körper!

Die einzelnen Episoden werden von Szenen gerahmt, in denen sich der Funktionär als eigentlicher Protagonist hinter den Kulissen aus Rasen, Rennbahnen, Hürden, Netzen usw. zu erkennen gibt. Final bekommt Jelineks Prämisse, dass ein genuiner Zusammenhang zwischen Sport und Krieg existiert, beklemmende Aktualität.

Die Inszenierung findet im Rahmen des Kulturprogrammes der Special Olympics 2023 in Berlin statt. Hier treten Sportler*innen mit geistiger und mehrfacher Behinderung vom 17. bis 25. Juni im Berliner Olympiastadion in 26 Disziplinen gegeneinander an.

Im Rahmen dieser Inszenierung kooperiert das RambaZamba Theater mit Regiestudierenden der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch. Letztere setzt sich im Rahmen des Projektes Inklusion in der Lehre der Theaterkünste seit 2023 verstärkt mit der Bühnenkunst von Theaterschaffenden und Schauspielenden mit kognitiven Behinderungen in Theaterbetrieb und Ausbildung auseinander. Neben dem Regisseur Jacob Höhne inszenieren die Regiestudierenden Lily Kuhlmann, Josephine Witt, Rosa Rieck, Marten Straßenberg und Linda Glanz die verschiedenen Teilstücke, die ein gemeinsames Regieprojekt bilden.

Dauer ca. 90 Minuten

Mit Juliana Götze, Anil Merickan, Hieu Pham, Jonas Sippel, Sebastian Urbanski
Chor Bettina Brezinski, Selina Fischer, Eva Gerngroß, Fleur Grelet, Anna Sehls Künstlerische Gesamtleitung Jacob Höhne Bühne Jacob Höhne Kostüme Nicole Timm Choreografie Sara Lu Musik Leo Solter Videoprojektionen & Visualisierungen Marco Casiglieri Chorleitung Bernd Freytag Dramaturgie Frank Raddatz Leitung Technik Robert Philipp Regieassistenz Michael Geißelbrecht Dramaturgieassistenz Joy von Wienskowski Regiehospitanz Prune Tirmarche, Lilly Pöhlmann, David Zaldivar Hanke
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PRESSESTIMMEN

"Unversöhnlich gegenüber stehen sich durchwegs die streng abgezirkelte Wort- und Leibesakrobatik des fünfköpfigen Herrenmenschinnen-Chores und der radikale Individualismus der RambaZamba-Spieler*innen. Das soll natürlich so sein und beschert gleich zu Anfang einen der schönsten Momente, wenn Sebastian Urbanski eine durchaus sehr textnahe Tennis-Ballmaschine aktiviert und Chor und Publikum mit den gelben Geschossen traktiert." Janis El-Bira, nachtkritik.de

"Umso schöner sind die anarchischen Momente des Abends, das schallende Gelächter oder die wie die Partialtriebe in der Psychoanalyse durch den Raum fliegenden Bälle, die Jonas Sippel und Anil Merickan mit sichtlicher Freude Richtung Publikum schmettern. Die entgegengesetzte Pose verkörpert Juliana Götze als neoklassizistische Statue mit Toga und Leni Riefenstahl, deren Filme die Körperbilder des 20. Jahrhunderts als Archetypen zu verewigen suchten. Und Hieu Pham setzt sich zuletzt noch Virtual-Reality-Brille auf, als Wunsch nach dem Verschwinden des Körpers in seiner technischen fortgeschrittensten Form." Jakob Hayner, Welt

"Eins wird im Laufe dieser Inszenierung jedoch klar: Die gedanklichen Bälle, die das Publikum an diesem Abend von den Ensemble-Mitgliedern des RambaZamba Theaters zugespielt bekommt, setzen sich zu einer Geschichte zusammen, die uns alle betrifft. Im hautengen Stretch-Jersey und ausgestattet mit Tennisschlägern stehen Juliana Götze, Anil Merickan, Hieu Pham, Jonas Sippel und Sebastian Urbanski auf den Stufen des Olymps und erzählen uns eine Geschichte des menschlichen Körpers – seiner Idealisierung, seines Verbrauchs und seiner Politisierung." Sophie-Margarete Schuster, Theater der Zeit