Die Räuber

nach Friedrich Schiller

Regie: Jacob Höhne

In unserem System der Unversehrten, der Richtig-Macher, der Wohlerzogenen, der Erfolgreichen und Kapitalisten sind Unvernunft und Vernunft strikt voneinander getrennt. Mehr noch. Sie sind sich eine  gegenseitige Bedrohung. Wir leben in einer durchrationalisierten Welt, in welcher der irrationale Mensch stets der Wahnsinnige ist. Durch seine Unvernunft verrückt er das Bild der Perfektion in nicht gewollte Bahnen.

Die Räuber mit ihrem Anführer Karl Moor sind die Irren, die Unvernünftigen. Sie sind diejenigen, die es leid sind, allenfalls teilhaben zu dürfen an der pseudoliberalen, kapitalistischen Gesellschaft der Vernunft. Die Räuber frönen der Wollust, der Völlerei, der Langsamkeit und Ineffizienz. Sie sind die Zuspitzung des Punks und des Nonkonformismus. Um frei zu sein und eine Gesellschaft nach ihren Maßstäben zu kreieren, gehen sie über Leichen. Ihre radikalen und menschenverachtenden Mittel gleichen denen von Franz Moor, jenem Bruder Karls, den der lebenslange Liebesentzug des Vaters zum Lügner, Intriganten und Mörder gemacht hat.

Das Stück DIE RÄUBER liest sich wie ein Angriff auf eine Welt, in der die Freiheit und die Liebe dem Profit weichen müssen. Es stehen sich zwei Welten gegenüber: das Establishment im Schloss des Patriarchen Moor mit seinem zweitgeborenen Sohn Franz sowie der von beiden Söhnen geliebten Amalia. Sie steht für das Prinzip des Emotionalen, der Liebe, das in dieser Welt keine Chance hat. Auf der anderen Seite stehen die „Irren“, die Rebellen mit ihrem Anführer Karl – die Beraubten der Freiheit, welche selbst zu Räubern werden.
Was folgt ist ein Kampf im vermeintlichen Namen der Freiheit, angetrieben von Neid, Verlust und Hass. Das, was am Ende bleibt, ist die Entscheidung zwischen der Freiheit oder dem Tod. Der Rest ist Schweigen.

Wir empfehlen den Besuch der Vorstellung ab 16 Jahren.

Pressestimmen:

Im Grunde geht es hier um zwei Arten von Gewalt. Beim fischigen Franz im Becken ist sie kalt, zynisch, hochgeschlossen; bei seinem Bruder Karl und dessen Räuberbande brutal, maßlos, buchstäblich nackt.

Beide Varianten setzen die Mitglieder des integrativen RambaZamba-Ensembles grandios in Szene. So, wie Pascal Kunze die Kanaille Franz spielt, ist der ungeliebte kleine Bruder auf beklemmende Weise überzeugend: rührend linkisch und lügnerisch böse, besserwisserisch dozierend und übereifrig plappernd; ein Zerrissener mit einer Gestik, die zugleich fahrig und großspurig ist und nie zur Ruhe kommt. Wer diesen Theaterabend gesehen hat, dem wird es schwerfallen, sich Franz Moor jemals wieder anders vorzustellen.

Ähnliches gilt für Amalia. Eine der unglaubwürdigsten und ödesten Frauengestalten, seit es Theater gibt, weckt in Juliana Götzes Darstellung endlich einmal Mitgefühl. Ihre Amalia ist stark und verloren zugleich – eine wirklich tragische Gestalt. Wie sich das Drama zwischen dieser Amalia und diesem Franz entfaltet, das allein wäre schon einen Theaterabend wert. (Frauke Adrians, nachtkritik)

Gäste: Antonia Bill, Claudia Burckhardt, Gisela Höhne, Almut Zilcher, Johanna Peine
Bühne: Thomas Bo Nilsson, Julian Eicke
Kostüme und Maske: Beatrix Brandler
Chorleitung: Bernd Freytag
Musikalische Leitung: Leo Solter
Dramaturgie: Kristina Ohmen