Pension Schöller

nach Wilhelm Jacoby und Carl Laufs in einer Bearbeitung von Steffen Sünkel

Regie: Jacob Höhne

Deutschland, wie es spinnt und lacht. „Pension Schöller“ ist ein Meisterwerk des Blödsinns. Der Großgrundbesitzer Philipp Klapproth möchte etwas erleben und macht sich von seinem Landgut in der Provinz auf nach Berlin. Sein Ziel sind jedoch nicht die galanten Abenteuer, sondern er will echte Verrückte in einer echten Irrenanstalt kennenlernen. Sein Neffe, der sich Geld von ihm erhofft, erfüllt ihm daher seinen Wunsch mit einer Lüge. Er bringt ihn in die Pension Schöller. Die vermeintliche Irrenanstalt ist in Wahrheit jedoch eine normale Pension, mit zugegebenermaßen einigen skurrilen Pensionsgästen: Einem gealterten Major a.D., einem Großwildjäger, einer Schriftstellerin und dem Neffen des Pensionsdirektors, der trotz eines kleinen Sprachfehlers Schauspieler werden will. Für Onkel Klapproth sind das alles authentisch Verrückte. Erst freut er sich kindisch, doch schnell packt ihn das Grausen. Am Ende ist der Großgrundbesitzer selbst am Rand des Wahnsinns.

„Pension Schöller“, geschrieben 1890, thematisiert neben dem Klamauk auch den spießbürgerlichen Humus, in dem deutsche Allmachtsfantasien perfekt gedeihen konnten. Dann ist es eben sehr schnell vorbei mit der oberflächlichen Wurstigkeit und die vermeintlich harmlose Komödie entpuppt sich als abgründiges fratzenhaftes Seelenspiel.

Pressestimmen:

Es sind die auf verschiedene Weise geistig behinderten Ensemblemitglieder, die in PENSION SCHÖLLER den Freiraum entdecken und energisch besetzen. Pascal Kunze, zwischen Genie und Wahn als Klapproth senior, den es von Kyritz an der Knatter hierher auf Exkursion ins Großstadtrevier verschlug, Jonas Sippel als mühsam an der Manipulation aller arbeitende Klapproth junior, Franziska Kleinert als notorisch Unflätiges brüllende Schriftstellerin Sibylle Zwerg, Hans-Harald Janke als Major a.D., der sich immer wieder danach erkundigt, wer jetzt denn Reichkanzler sei, und »Heil Hitler!« schreit. Daraufhin wird er von Schöllers Tochter, die in an diesem traurigen Ort alle Arbeit, einschließlich die der Animation der männlichen Gäste, zu verrichten hat, jedes Mal zaghaft belehrt, dass man »das nicht mehr sagt«. (…)Das ist in dem Maße lustig, wie es auch makaber ist. Selber schuld, wer sich vom Etikett »Lustspiel« in die Irre führen lässt. Denn PENSION SCHÖLLER bleibt ein kleinbürgerliches Trauerspiel – der Verwandlung von Kunst in Kitsch, von wertvoll in billig, von echt in unecht. Nietzsches Entwertung aller Werte? Aber ganz so kulturpessimistisch will es das höchst vitale RambaZamba-Ensemble nicht sehen. Hier feiert es sich vor allem selbst, mit allen Mitteln, auch denen des schlechten Geschmacks, Hauptsache orgiastisch. (Gunnar Decker, Neues Deutschland)

Gäste: Diana Ebert, Boris Jacoby, Leo Solter
Bühne: Jacob Höhne, Steffen Sünkel
Kostüme: Beatrix Brandler
Musik: Leo Solter
Dramaturgie: Steffen Sünkel